Allgemein, Community, Web

Twitter: Zwischen Kommunikation & Kommerz

12 September 2009 Ein Kommentar

In diesem Post bewege ich mich ein wenig abseits von .NET, C# und dem Software-Entwicklungs-Alltag. Es geht meht um das digitale Leben. Seit nun einiger Zeit scheint ja der halbe Globus zu twittern. Der Hype um Twitter und das Gezwitschere hört nicht auf.

Ich (als @ilkerde) bin ja mittlerweile auch “auf den Zug” aufgesprungen und möchte hier mal meine Eindrücke wiedergeben.

Zunächst einmal denke ich das der Hype um das Gezwitschere nicht berechtigt ist. Abgesehen von der trivialen Idee & Technologie ist Twitter für mich grundsätzlich kein neues Kommunikationsmedium. Es ist eine Symbiose aus Broadcast-SMS, Blog (RSS-Feed) und Chat. “Microblogging” als neues digital-soziales Sprachrohr – “Nein”, würde ich sagen. Wohl eher eine weitere Trendform der invertierten Informationsbeschaffung.

Eine Form der invertierten Informationsbeschaffung

“Ich suche nicht mehr die Information, die Information kommt zu mir” – sagt Heiko Ditges, wohl mit einer der wichtigsten Social Media Experten Deutschlands. Naja, das mag ja schön und gut sein. Aber Twitter ist längst kein Kommunikationmittel mehr, mit dem soziale Kontakte gepflegt werden. Twitter ist auch ein weiterer Schritt in Richtung Vermarktung der sozialen Lebensbereiche. Das mag für den einen oder anderen erschreckend wirken – ist aber meiner Meinung nach nicht so schlimm, wie es aussieht.

Der Kommerz hat uns in vielen Lebensbereichen längst eingeholt – sei es “klassisch” im Flimmerkasten, dem Handy, dem Computerspiel oder eben auch bei sozialen Aktivitäten. Es gilt mit den Medien, in die der “Kommerz” zu uns dringt, richtig umzugehen. Die oft besagte und mystische “Medienkompetenz” ist der entscheidende Schlüssel, um Community-Plattformen wie XING, Facebook oder StudiVZ effektiv und in geordnetem Maß zu nutzen. Meiner Meinung nach gilt das selbe auch für “neue” Kommunikationsformen wie Twitter.

Wir werden Omnimedial, alle gemeinsam

Meidenkompetenz hin oder her, es schlägt sogar mir als aufgeschlossenen, omnimedial kommunizierenden auf den Magen wenn ich alle paar Tage Spam-Follower blockiere, ausschliesslich Retweets lese oder sehe, wie mittlerweile nahezu jedes Unternehmen tweetet und dies sogar akribisch – in gewissem Maße auch “strategisch” – für die Vermarktung der eigenen Produkte nutzen möchte. Der Twitterzug ist nun mal am Rollen und jeder möchte mitfahren. Buzzwords wie Enterprise 2.0 und Social Media Awareness sind kaum mehr aus Marketing Jour-Fixe’s wegzudenken.

Wichtig ist hierbei die Erkenntnis, das “Medium Microblogging” nicht für o.g. Kommerzialisierungsbewegungen verantwortlich zu machen. Medien werden immer Zielscheibe der Vermarktung sein und bleiben. Radiowerbung, Fersehwerbung, Onlinewerbung und eben auch “soziale Werbung”. Twitter ist trotzdem für mich und andere interessant, genauso wie Millionen von Menschen “Wer wird Millionär” gucken, obwohl sie alle 10 Minuten mit Werbung berieselt werden.

In genau diesem Maße macht es auch Sinn, zu zwitschern und aktiv an der digitalen Gesellschaft teilzunehmen Das erst kürzlich stattgefundene Twestival in München ist ein Paradebeispiel für die effektive Nutzung der Twitterei. Natürlich ist auch hier der unaufdringliche Duft des Kommerz, des viralen Vermarktens und Networkings in der Luft. Aber – und das ist entscheidend – es ist eine maßvolle, sowohl für die Sache, für die Gesellschaft und für den einzelnen Teilnehmer verwertbare Aktion.

Darüber hinaus denke ich wird das Microblogging in absehbarer Zeit wieder an Attraktivität verlieren. Es ist kein Medium der Neuzeit, sondern eine einfache, in meinen Augen zu einfache Drehscheibe für Nachrichten. Keine Semantik, eine unscharfe Selektion der Information und die mehrheitliche Fokussierung auf den “Anreiz” zum Klick auf die durch bit.ly und Konsorten gekürzten Links machen Tweets zu einem Trend – aber nicht zu einer ernst zu nehmenden Kommunikationsplattform. Twitter: Interessante Menschen, Interessante Themen – aber keine soziale und mediale Revolution.

Ein Kommentar

  • Anne Grabs :

    Hey, zunächst mal freue ich mich, dass du das gleiche Theme wie ich benutzt (und sinnvollen Anpassungen, wie ich sehe). Ich stimme dir zu, dass Twitter nicht richtig kategorisiert, sondern die Bedeutungsbeimessung der interessanten Tweets erst durch ein gewisses Training, Spielerei mit Twitter erfolgt. Erst nach einer Weile und einer kritischen Masse an Usern wird Twitter interessant. Da reichen nicht zwei Dutzend Follower aus, auch nicht 100. Es braucht eine gewissen Anzahl an interessanten Followern und Leuten denen man folgt, damit Twitter wirklich spannend ist. Und dann entpuppt sich der scheinbar reine Informationskanal als Unterhaltungs-, Nachrichten- und Kommunikationsmedium. Das Besondere an Twitter ist sicher die ständige Emergenz, das Auftreten von Neuem. Leute twittern welches neue Tool sie ausprobiert haben, was sie Neues erlebt, gehört, gesehen haben. Wenn man nicht aufpasst, wird daraus schnell ein Overflow. Wenn man es richtig angeht, ist man am Puls der Zeit. Aber dennoch wird auch Twitter irgendwann ein Unhype, genauso wie Second Life, StudizVZ und irgendwann Twitter. Warten wir’s ab. Bis dahin zwitschern wir einfach mit.

Ihre Meinung ist gefragt!

Sie können folgende Tags verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Dieser Blogs unterstützt Gravatare.
Falls Sie noch keines haben, können Sie Ihren persönlichen Avatar bei Gravatar erstellen.